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  • AutorenbildCamperFan

# 17 Pleiten, Pech und Pannen



In der nordspanischen Wüste Bardenas Reales fahren wir mit unserem Wohnmobil viele Schotterpisten und erwischen obendrein noch ein gröberes Schlagloch. Zurück auf den Asphaltstrassen merken wir, dass im Alkoven (Nase oberhalb Führerkabine) etwas lottert und scheppert. Nach einigen Kilometern steht fest: Wir müssen in die Werkstatt! Unweit der geplanten Reiseroute nach Andorra befindet sich glücklicherweise eine Vertretung unserer Wohnmobilmarke.



Dass wir diese noch wegen eines weiteren Defektes beanspruchen würden, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Ist aber so. Auf einem Stellplatz verliert unser Warmwasserboiler sämtliches Wasser. Unsere Vermutung, dass der Frostwächter defekt ist, sollte sich später bewahrheiten. Leider hat die Werkstätte kein solches Teil an Lager und Ersatzteillieferungen können Wochen, wenn nicht Monate dauern. Unsere Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Doch wir haben die Rechnung ohne die Flexibilität und Kulanz des Wohnmobilhändlers gemacht. Dieser baut aus einem seiner Neufahrzeuge kurzerhand einen neuen Frostwächter aus und bei uns wieder ein. Das erste Problem wäre gelöst! Die Kontrolle und allfällige Reparatur des Alkovens lässt sich aus Zeitgründen allerdings nicht machen. Wir versuchen Termine entlang unserer vorgesehenen Reiseroute in Südfrankreich und im Piemont zu finden. Vergebens. Alle Werkstätten sind monatelang ausgebucht. Keine Chance. So entscheiden wir uns, schotterpistenfrei und vorsichtig zurück in die Schweiz zu fahren und die Kontrolle und Reparatur dort auszuführen. Dank der Vorlaufzeit von über einem Monat erhalten wir dort einen entsprechenden Termin.



Andorra und Pyrenäen

Mit über einer Woche Verspätung fahren wir in Richtung Pyrenäen, wo wir in einem kleinen Bergdorf übernachten. Der katalonische Dialekt, welcher hier gesprochen wird, erinnert irgendwie an Romanisch. Am nächsten Tag erreichen wir das vierte Land unserer Europa-Tour: Andorra ist 468 Quadratkilometer gross und damit etwa gleich klein wie die beiden Halbkantone Appenzell zusammen. Rund 80'000 Einwohner leben hier; die meisten in Andorra Stadt. Zwischen den hohen und schroffen Bergen wirkt die stark verbaute Agglomeration eingepfercht, verkehrsüberlastet, laut und hektisch. Nichts für unsere Nerven, die nach den Pleiten, Pech und Pannen immer noch angeschlagen sind. Wir decken uns in einem Zollfrei-Shop (ähnlich Samnaun) mit Grappa und Wein ein, Tanken für 1,38 Euro voll und fahren über den schneebedeckten Pass in Richtung Frankreich.



Schweinische Begegnung

Dort, wo Stefan Eichers gleichnamiges Album entstanden ist, zieht es uns als nächstes hin: Das schmucke Städtchen Carcasonne im Südwesten Frankreichs finden auch wir inspirierend. Die Burg mit ihrer drei Kilometer langen Doppelmauer und ihren 52 Türmen ist einzigartig und UNESCO-Weltkulturerbe. Sie umschliesst ein kleines Städtchen mit Gassen, Plätzen, Restaurants, Brunnen und Läden.



Weiter geht unsere Frankreich-Durchquerung via Provence an die Côte d’Azur, wo wir auf dem Sentier du Littoral einen malerischen Küstenabschnitt erwandern.




Aus dem Picknicken wird leider nichts: Kaum haben wir die Sandwiches ausgepackt, stürmt ein Wildschwein aus den Büschen und will uns ans Futter. Nur mit Mühe und mit Stecken bewaffnet können wir die Sau in Schach halten und den Rückzug antreten. Nach der schweinischen Begegnung besuchen wir die Lagunenstadt Port Grimaud und fahren dann weiter in unser sechstes Land - Monaco.



YouTube: Monaco, Italien & (fast) Dolce Vita


Das gut zwei Quadratkilometer kleine Land ist mit rund 37'000 Einwohnern das am dichtesten besiedelte Land der Welt – und nach dem Vatikanstaat auch das zweikleinste. Wie zuvor bereits in Gibraltar und Andorra ist es uns auch hier zu eng, zu laut und zu hektisch. Wir sind und bleiben eben Naturliebhaber und Landeier – und so zieht es uns am nächsten Tag weiter nach Italien.



Dolce Vita in Italien

Wir schwingen uns im Bike- und Kletter-Mekka Finale Ligure aufs Mountainbike und zischen ab in die Ruhe der Natur. Der Stellplatz für unser Wohnmobil befindet sich einmal mehr direkt am Meer – diesmal allerdings nicht alleine, sondern mit dutzenden anderen Campern und Bikern. Unsere Reise führt weiter über die Apenninen ins Piemont, wo wir uns für einige Tage in La Morra niederlassen.



Wir erkunden das Barolo-Weinbaugebiet – im Rebberg und im Keller. Nach der Durchquerung der unendlich scheinenden Po-Ebene erreichen wir den Gardasee. In Riva del Garda – einem weiteren Bike-Mekka – satteln natürlich auch wir wieder unsere Drahtesel und erkunden die alten Militärwege und Festungen, von denen es in dieser Region haufenweise gibt. Über den Brenner gelangen wir anschliessend nach Österreich. Angesichts des anstehenden Werkstattermins in der Schweiz können wir unser östliches Nachbarland diesmal leider nicht genauer unter die Lupe nehmen. Nach einer Gratis-Nacht auf einem Gasthof-Parkplatz bei Telfs (wir haben wieder mal auswärts gegessen) fahren wir via Arlberg weiter in die Schweiz und erreichen nach fast vier Monaten, neun Ländern und rund 6200 Kilometern (ab Tarifa) wieder heimische Gefilde.


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