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# 31 Auf den Spuren von Odysseus

  • Autorenbild: CamperFan
    CamperFan
  • 28. März
  • 5 Min. Lesezeit

Dort, wo Odysseus zu seinen abenteuerlichen Reisen aufgebrochen ist, möchten wir diesmal hin. Nach Griechenland. Unsere Wohnmobilreise soll aber weder eine Odyssee noch ein trojanischer Feldzug werden, sondern eine spannende Entdeckungstour durch den Peloponnes und angrenzende Regionen Griechenlands.

Karin und Marco unterwegs in Griechenland
Karin und Marco unterwegs in Griechenland

Für unsere Anfahrt nach Griechenland nutzen wir, so wie damals auch Odysseus auf seinen Reisen, den Land- und Seeweg. Vom italienischen Ancona aus bringt uns die «Superfastferry» über das Adriatische Meer ins griechische Patras.


Am Fährhafen von Ancona
Am Fährhafen von Ancona

Die riesige Fähre ist zwar deutlich schneller als die damaligen Segelschiffe, aber selbst superfast dauert im konkreten Fall 22 bis 24 Stunden. Die Nacht in der stickigen Zweibett-Kajüte ist ruhig und das Schaukeln hält sich in Grenzen. Am späten Nachmittag laufen wir in Patras ein.


Blick auf die Küste Albaniens
Blick auf die Küste Albaniens

Viel Zeit für eine Stellplatzsuche bleibt nicht. Um erstmal richtig anzukommen und vor dem eigentlichen Reisestart nochmals alles zu ver- und entsorgen, entscheiden wir uns für einen Campingplatz. Davon gibt es in Griechenland nur Wenige, die im Winter geöffnet haben.


Kanal von Korinth

Unser erstes Ziel heisst Korinth. Also nicht die Stadt, sondern der gleichnamige Kanal, welcher die Halbinsel Peloponnes vom Festland trennt. Nach seiner Eröffnung im Jahr 1893 diente der 6,3 Kilometer lange Kanal den Schiffen als wichtige Abkürzung auf ihrem Weg von der Ägäis in die Adria oder umgekehrt. Für heutige Handels- oder Passagierschiffe ist er mit seiner bescheidenen Breite von rund 24 Meter deutlich zu schmal, weshalb er nur noch von Yachten, kleineren Booten oder für touristische Zwecke genutzt wird. Nichtsdestotrotz beeindruckt der bis zu 80 Meter tief in die Felsen gehauene Wasserweg auch heute noch.


Kanal von Korinth
Kanal von Korinth

In Sichtweite thront auf einem markanten Felsen die Festungsanlage Akrokorinth. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts diente sie unter anderem als Zufluchtsort für die Bevölkerung von Korinth. Die "Allsehende des Peloponnes" ist eine der ältesten und grössten Burgen Griechenlands. Sie dominiert die Umgebung und kontrollierte über Jahrhunderte den Zugang zwischen dem Peloponnes und dem Festland. Die Burg, die verschiedene Bauepochen und Baustile vereint, hat ihren Ursprung in der Antike und war dem Mythos nach dem Sonnengott Helios geweiht, der später seinen Thron der Göttin Aphrodite anbot. Die Besteigung des Burghügels loht sich schon der Aussicht wegen. Diese reicht bei guter Sicht bis zur Akropolis in Athen.


Vulkanlandschaft auf Methana
Vulkanlandschaft auf Methana

Vulkane und «faule Eier»

Weiter führt unsere Reise entlang der Ostküste südwärts. Die Halbinsel Methana hat ihren Charm – fernab vom Massentourismus – bis heute bewahrt. Nomen est Omen: Der Name Methana beruht auf der vulkanischen Aktivität und den warmen Quellen, die man hier an verschiedenen Orten findet. Die Strassen sind kurvenreich, schmal und von tiefhängenden Ästen gesäumt und für grössere Wohnmobile deshalb nicht empfehlenswert. Über einen gut ausgeschilderten Vulkan-Trail erkunden wir die bizarre und schroffe Landschaft. Die rötlichen Lavafelsen bilden mit den saftig grünen Kiefern, dem stahlblauen Meer und den saronischen Inseln eine Bilderbuchkulisse.


Zimmer mit Aussicht
Zimmer mit Aussicht

Nicht weniger beeindruckend ist unser nächster Übernachtungsplatz, von wo aus wir diese Kulisse am Abend in verschiedenen Rot- und Ockertönen geniessen können. Wo es Vulkane gibt, sind heisse Quellen meist nicht weit. Auf Methana gibt es mehrere davon. So zum Beispiel die schmucke «Badewanne» in Pausania, direkt am Meeresufer. Das «Badewasser» muss man sich selber einlassen, in dem man auf einen Knopf drückt und die Pumpe startet.


Badespass mit Blick über den Saronischen Golf
Badespass mit Blick über den Saronischen Golf

Wer den Geruch von faulen Eiern beziehungsweise Schwefel nicht scheut, geniesst vom Hotpool aus einen herrlichen Blick über den Saronischen Golf bis nach Athen. Das Hauptbad der Insel befindet sich im Hauptort Methana selber: Ein grosser warmer Badesee, flankiert von heruntergekommenen Infrastrukturgebäuden aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Genutzt wurde das seit 2017 geschlossene Naturbad in seiner Blütezeit hauptsächlich von Gästen aus Athen.



FKK und Pleite

Wir verlassen die Halbinsel und fahren weiter zu den Dolinen von Didyma. Im karstigen Boden haben sich zwei riesige Löcher abgesenkt. In eines davon kann man durch eine Tunnel-Treppe hinabsteigen und zwei kleine, schmucke Kapellen besuchen, die in Felsenhöhlen gebaut wurden.


Doline von Didyma
Doline von Didyma

Wir stehen einige Tage unweit davon am Salanti-Beach. Der Ort und die bunt gemischte Camper-Schar kommt uns vor wie eine Mischung aus Schlangenbucht und Ziegenwiese in Spanien. Hier bilden allerdings keine Gemüse-Treibhäuser den Gegenpool zum Meer, sondern ein grosser, zerfallener Hotelkomplex. Eingewachsene Pool- und Sportanlagen, Minigolf und Bungalows zeugen davon, dass hier bis Ende der Siebzigerjahre ein reger Betrieb geherrscht haben muss. Das Salanti-Beach Hotel war ein bekanntes FKK-Hotel. Nach anhaltenden Protesten von Einheimischen und Kirchenvertretern musste dieses schliessen und Versuche, es als «normales» Hotel weiterzuführen, scheiterten. Seither dominiert der Lost-Place-Koloss die malerische Salanti-Bucht.


Amphitheater von Epidauros
Amphitheater von Epidauros

Zwei Schnäppchen

Zuoberst im Argolischen Golf besuchen wir die Stadt Nafplio. Auf dem riesigen Hafengelände stehen bereits zahlreiche Wohnmobile und Vans. Wir gesellen uns dazu und erkunden in den Folgetagen den grossen Bauernmarkt, die schmucken Gassen und Plätze sowie über 999 Treppenstufen die Festung Palamini, die hoch über der Stadt auf einem Felsen thront.


Frühling auf dem Burg Palamidi
Frühling auf dem Burg Palamidi

Im Hafen liegen aktuell zwei der teuersten Jachten der Welt: Die rund 600 Millionen Dollar teure «Blue» und die rund 450 Millionen Dollar teure «Topaz». Beide gehören dem Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, einem der reichsten Unternehmer der Welt, Vizepremier der Vereinigten Arabischen Emirate und Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi. Mit einem solchen Background kann man sich offenbar locker zwei solche Bötchen leisten. Auch wenn diese für Unterhalt, Crew (je 75-80 Personen), Treibstoff und Hafengebühren nach Angaben von Fachmagazinen jährlich rund 50 Millionen Dollar verschlingen. Pro Stück. Man gönnt sich ja sonst nichts.


Arbeiten und Biken

Wir fahren weiter und lassen uns rund 80 Kilometer weiter südlich einige Tag auf einem Campingplatz im Kletterparadies Leonidio nieder. Ver- und Entsorgung, Wäschewaschen und Büroarbeiten sind angesagt. Klettersteige gibt’s hier leider keine und so fokussieren wir uns aufs Mountainbiken. Auch schön. Unsere Tour führt hoch auf die rötlichen Felsen und dann über ein abgelegenes Hochplateau. Unterwegs durchqueren wir eine grosse Schafherde und sind froh, dass der Schäfer seine unzähligen Herdenschutzhunde im Griff hat. Bald erreichen wir eine kleine Kapelle und geniessen den Downhill zum Meer und die Rückfahrt nach Leonidio.


Das Kloster Elona klebt wie ein Adlerhorst in den Felsen
Das Kloster Elona klebt wie ein Adlerhorst in den Felsen

Atlantis von Griechenland

Nach vier Tagen zieht es uns weiter südwärts. Wir entscheiden uns für die abenteuerliche Fahrt durch eine Schlucht und hoch zum Kloster Elona, das wie ein Adlernest in eine Felswand gebaut wurde. Nach rund 70 Kilometern erreichen wir wieder das Meer und bald den Hafen von Monemvasia. Das antike Bilderbuch-Städtchen befindet sich «unsichtbar» auf der vorgelagerten Halbinsel. Es wurde bewusst hinter die Felsen gebaut, um vom Feind unentdeckt zu bleiben. Vom Land aus ist nur die imposante und abschreckende Burg zu sehen.


Bilderbuchstädtchen Monemvasia
Bilderbuchstädtchen Monemvasia

Im Hafen gibt es für Camper eine Park- und Übernachtungsgelegenheit. Noch weiter südlich erreichen wir die Insel Elafonisos. Angesichts des Sturms verzichten wir auf einen Besuch der Insel selber. Wir stehen in einem Olivenhain beim Strand, vor welchem die älteste Hafenstadt der Welt auf dem Meeresgrund liegt. Das Atlantis von Griechenland sozusagen. Die spannende Geschichte von Pavlopetri geht bis ins Jahr 3000 Jahre vor Christus zurück. Auf einer Fläche von 45 Hektaren zeugen zahlreiche gut erhaltene Gebäude, Strassen und Grabstätten, dass hier einst hunderte Menschen gelebt haben. Archäologen gehen davon aus, dass die Stadt nach einem Erdbeben und tektonischen Verschiebungen rund 1000 Jahre vor Christus vom Meer verschlungen wurde. Wir lassen die Drohne steigen und versuchen die Überreste der Stadt aus der Luft zu orten. Hoher Wellengang machen diesem Ziel allerdings einen Strich durch die Rechnung. Nichtsdestotrotz: der Spot am türkisfarbenen Meer und weissen Strand entschädigt uns allemal.



Im zweiten Teil unserer Griechenlandtour geht es unter anderem auf die bekannte Mani-Halbinsel, den «mittleren Finger» des Peloponnes.

 
 
 

1 Kommentar


rudolf.fankhauser
vor 3 Tagen

Hallo zusammen! Mir gefallen Eure Reports und Euer Wohnmobil. Gratuliere! Ich bin momentan noch mit VW-Bus unterwegs und beabsichtige etwas Grösseres zu kaufen. Vielen Dank für gute Tipps und freundliche Grüsse, Ruedi (rudolf.fankhauser@gmail.com)


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