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# 33 Griechenland: Von Mönchen, Nonnen und James Bond

  • Autorenbild: CamperFan
    CamperFan
  • 11. Mai
  • 5 Min. Lesezeit
Bergstrasse durch die Winnetou-Landschaft von Lefkada
Bergstrasse durch die Winnetou-Landschaft von Lefkada

Im Gegensatz zu bekannten griechischen Inseln wie Santorini, Rhodos, Kreta oder Korfu konnte Lefkada ihren ursprünglichen Charakter ohne übermässige Touristenströme noch weitgehend bewahren. Viele Buchten und Strände leuchten aufgrund der kalkhaltigen Klippen in fast kitschigem Türkisblau. Nach einigen Tagen Kathisma Beach folgen wir unserem wohl typisch schweizerischen Drang, den höchsten Berg zu besteigen.


Aussicht vom höchsten Berg von Lefkada
Aussicht vom höchsten Berg von Lefkada

Die schmale und holprige Bergstrasse schlängelt sich durch ausgedehnte Zypressen-Wälder immer höher hinauf und führt schliesslich durch eine schroffe Winnetou-Landschaft zu einer ausgedienten Radarstation der NATO. Bis zum Ende des Kalten Krieges waren hier, abgeschottet von der Aussenwelt, rund 30 amerikanische Soldaten stationiert. Die vier riesigen Parabolantennen gehörten zum damals hochmodernen europäischen ACE-Langstrecken-Überwachungssystem. Heute ist die Anlage verlassen und verfallen.


Lost Place - Nato Radarstation
Lost Place - Nato Radarstation

Wir sind allerdings nicht wegen dieses interessanten Lost Places hier hochgefahren, sondern wegen des höchsten Berges. Der 1182 Meter hoch Stavrotas (Elati) befindet sich einige Kilometer weiter südlich und ist mittels einer einfachen Wanderung in rund einer Stunde zu erklimmen. Die Aussicht ist fantastisch. Der Blick reicht von den unzähligen Inseln des Ionischen Meeres bis hin zu den schneebedeckten Gipfeln des Olymps. Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz und lassen uns für die Nacht nieder. Eine vorbeiziehende Ziegenherde geniesst das saftige Gras, das zwischen den Felsen hervorspriesst.


Übernachtungsplatz in den Bergen von Lefkada
Übernachtungsplatz in den Bergen von Lefkada

Am nächsten Tag fahren wir hinunter zum Avali Beach. Diesen muss man sich allerdings verdienen: Die schmale und abschüssige Strasse führt zuerst durch Olivenhaine, wo unser kleiner Camper grad so knapp unter den Ästen hindurch passt. Danach folgen engen Serpentinen sowie ein vom Hochwasser abgerutschter und provisorisch reparierter Strassenabschnitt.


Mit dem Kajak übers türkisfarbene Meer
Mit dem Kajak übers türkisfarbene Meer

Um diese Jahreszeit verirrt sich kaum einer hierher und das Paradies gehört uns alleine. Wir geniessen den herrlichen Strand und das Meer, wo wir am Morgen zum Aufwachen jeweils ins 16 Grad kalte Wasser hüpfen. Auch eine Kajak-Tour entlang der schroffen Kalkfelsen lassen wir uns nicht entgehen. 


Traumstrand Porto Katsiki
Traumstrand Porto Katsiki

Fast wie im Verzascatal

Ganz im Süden der Insel befindet sich Porto Katsiki. Der Bilderbuchstrand am Fusse einer Steilklippe ist nur über eine steile Treppe zu erreichen. Die Nacht verbringen wir zusammen mit weiteren Campern auf dem Parkplatz, bevor wir am nächsten Tag zum Leuchtturm am Kap Lefkada weiterfahren.  Weiter geht’s der Ostküste entlang nordwärts zum Desimi Beach. Dort steuern wir den im Winter einzigen geöffneten Campingplatz auf Lefkada an, um wieder einmal alles zu Ver- und Entsorgen. Einige Kilometer weiter nördlich befindet sich in einer engen Schlucht der Nydri-Wasserfall. Die Landschaft mit den ausgewaschenen Steinen und türkisfarbenen Pools erinnert uns an das Verzascatal im Tessin.


Auf dem Weg zum Nydri-Wasserfall
Auf dem Weg zum Nydri-Wasserfall

Letzte Station vor der Rückkehr aufs Festland ist der Hauptort Lefkada. Hier decken wir uns auf dem Markt mit frischem Gemüse ein und geniessen in einer Taverna einen Griechischen Salat und würzige Souvlakis.

  


Besuch aus dem Prättigau

Zurück auf dem Festland steuern wir als Erstes die Stadt Arta an. Dort wollen wir uns mit zwei Prättigauern treffen:  Andi und Gabi aus Fanas haben tags zuvor mit der Fähre von Ancona nach Igoumenitsa übergesetzt und sind nun auf dem Weg in Richtung Peloponnes. Wir treffen uns mit den Beiden auf einem Stellplatz und möchten von dort gemeinsam Essen gehen. Dieses Vorhaben entpuppt sich allerdings schwieriger als angenommen. Die Einheimischen scheinen sich hier vor allem auf Apéro anstatt aufs Essen zu fokussieren. Erst nach einem Spiessrutenlauf ans andere Ende der Stadt finden wir endlich ein Speiselokal. Der Umstand, dass sich hierher kaum Touristen verirren, widerspiegelt sich in der einsprachigen, griechischen Menükarte. In solchen Fällen hilft uns jeweils der Google-Translater weiter. Der Scan-Modus übersetzt die gesuchten Wörter oder Sätze jeweils zuverlässig auf Deutsch. Oder auch nicht. So kann es schon mal vorkommen, dass zum Übel des hier Schreibenden statt saftiger Tagesfisch ein gummiger Tintenfisch auf dem Teller landet. Aber solche kulinarischen Höhen- oder eben Tiefflüge gehören zum Reisen halt dazu.


Steinbrücke und Wasserfall Palaiokarya im Pindos-Gebirge
Steinbrücke und Wasserfall Palaiokarya im Pindos-Gebirge

Am nächsten Tag verabschieden wir uns und fahren durch das Pindos-Gebirge. In der abgeschiedenen Gegend lebt die südlichste Bärenpopulation von Europa. Nach rund 100 Kilometern Niemandsland erreichen wir die Stadt Kalambaka am Fusse der bekannten Meteora-Klöster.  


Meteora-Klöster - beliebte Filmkulisse
Meteora-Klöster - beliebte Filmkulisse

Faszinierende Szenerie

Wenn man die beeindruckenden Bauten auf den verschiedenen Felsnadeln sieht, lässt es sich erahnen, woher der Name «Meteora» stammen könnte: dieser bedeutet übersetzt nämlich treffend «schwebend». Die ersten nachgewiesenen Einsiedeleien gibt es in Meteora seit dem 11. Jahrhundert. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte und Jahrhunderten entstanden immer mehr Einsiedeleien und schliesslich auch ganze Klöster. Heute umfasst das Gebiet am Rande des Pindos-Gebirges noch 24 zugängliche Klöster und Ermitagen. Die restlichen achtzehn Bauwerke sind entweder zu schwer zu erreichen oder wurden wegen Einsturzgefahr verlassen und geschlossen. Heute leben noch rund 20 Mönche und 50 Nonnen in den verschiedenen Frauen- und Männerklöstern. Das Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit ist öffentlich zugänglich und diente schon für verschiedene Filme als Kulisse – darunter für den James Bond Klassiker «For your eyes only». Im Gegensatz zu Roger Moor muss man als Besucher nicht die senkrechte Felswand hochklettern, sondern kann den etwas weniger schwindelerregenden Treppenweg nutzen, der vor Jahrhunderten mit bescheidenen Hilfsmitteln aufwändig in die Felsen gehauen wurde. Die Versorgungsseilbahn, die vom Nachbarfelsen zum Kloster führt, ist nur für Geistliche beziehungsweise heute Personal zugänglich. Im Gegensatz zu anderen Klöstern und Kirchen, die wir in Griechenland besucht haben, scheint der Geist Gottes hier aufgrund der vielen Touristen etwas verdrängt worden zu sein. Wir «spüren» jedenfalls weniger als anderswo. Ein Besuch lohnt sich aber alleweil, die Szenerie ist beeindruckend und fast ein wenig unwirklich.


Vikos-Schlucht
Vikos-Schlucht

Endspurt Vikos-Schlucht

Wir fahren weiter nach Nordwesten. Unweit der Grenze zu Albanien befindet sich die Vikos-Schlucht. Diese steht im Guinnesbuch der Rekorde und gilt in Bezug zur Breite als tiefste Schlucht der Welt. Am Oxya-Viewpoint staunen wir, wie schon an anderen Orten, wieder einmal über die Griechischen «Suva-Vorschriften»: Geländer? Fehlanzeige! Wer einen Fehltritt macht, hat genügend Zeit, sein letztes Selfie auf dem Weg zum Voidomatis-Fluss im freien Fall zu machen. Wanderer und Abenteurer nehmen besser gleich den Vikos-Trail, der unten am Fluss durch die abgeschiedene Schlucht führt. Unweit der Schlucht besuchen wir noch den Stone-Forest, eine Felsformation, die an aufgeschichtete Pfannkuchen erinnert.


Bergdorf Monodendri
Bergdorf Monodendri

Und auch das schmucke Bergdorf Monodendri ist ein Besuch wert. Für das leibliche Wohl empfehlen sich dort die verschiedenen Pita-Spezialitäten, die sehr lecker schmecken.  



Jassas und auf Wiedersehen

Auf der Rückfahrt an die Küste nächtigen wir in der pulsierenden Stadt Ioaninna am Pamvoita-See. Hier decken wir uns nochmals gebührend mit der Süssspeise «Baklava» ein, die an jeder Ecke und mit verschiedensten Geschmacksrichtungen angeboten wird. Am nächsten Tag erreichen wir Igoumenitsa, wo die Fähre nach Ancona auf uns wartet. Eigentlich wollten wir über den Balkan durch Albanien, Montenegro und Bosnien nachhause zurückkehren. Da wir in Griechenland länger als erwartet hängengeblieben sind, entscheiden wir uns erneut für die Fähre und verschieben die Balkan-Route auf ein Andermal.

 
 
 

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