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# 32 Spartaner, Geister und Landquarter

  • Autorenbild: CamperFan
    CamperFan
  • 15. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit
Die markante Ochsenbauchbucht
Die markante Ochsenbauchbucht

Spartaner, Geister und Landquarter

Die Mani-Halbinsel ist der mittlere «Finger» des Peloponnes und gilt als landschaftlich besonders reizvoll. Die karge Landschaft bildet einen malerischen Kontrast zu den vielen türkisfarbenen Felsbuchten. Wir fahren der Ostküste entlang südwärts und übernachten in einem abgelegenen kleinen Fischerdorf, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Die schmale Strasse führt zuerst über die Berge und dann über viele Serpentinen steil runter zur Siedlung. Die Zufahrt zum Stellplatz bei der kleinen Taverna verläuft direkt am Strand. Genau gesagt auf dem Strand. Wir hoffen, dass die aufgeschütteten runden Steine und der Sand die Last unseres Campers tragen und wir nicht steckenbleiben oder im Meer landen. Im Winter verirrt sich kaum ein Tourist hierher. Wir sind die einzigen Gäste. Der Hund des Hauses empfängt uns mit entsprechend misstrauischem Blick und dezentem Knurren. Die Wirtin sitzt vor der Theke an einem Tisch und reinigt einen grossen Haufen frischer Wildspargeln, die sie an den steilen Felshalden gefunden hat. Ihr Sohn, der später für uns kochen wird, sitzt gelangweilt daneben und starrt in sein Handy. Speisekarte gibt’s keine. Mit Händen, Füssen und einigen Brocken Englisch empfiehlt sie uns Omelette mit frischem Spargel und Kräuter-Pitta – eine Art Fladenbrot mit Kräuterfüllung. Beides schmeckt gut und schon bald beziehen wir nebenan unser mobiles Heim. Nebst dem leisen Rauschen der Wellen ist nichts zu hören. Am nächsten Tag fahren wir ausgeruht weiter zum (fast) südlichsten Punkt der Mani.



Um zum Leuchtturm am Cap Tainaron zu gelangen, der am südlichsten Punkt des Griechischen Festlandes auf einer Felsenklippe steht, muss man noch anderthalb Stunden Fussmarsch in Kauf nehmen. Es lohnt sich! Entlang der Westküste fahren wir wieder nordwärts und gelangen schon bald zum Geisterdorf Vathia.


Cap Taineron
Cap Taineron

Die Häuser erinnern auf der Mani eher an Burgen als an Wohnhäuser. Die «Pyrgois» wurden deshalb gebaut, weil sich die verschiedenen Familien-Clans früher erbitterte Nachbarschaftskämpfe lieferten. Heute stehen viele dieser Türme – wie im Geisterdorf Vathia – leer. Einzelne wurden restauriert und dienen als Ferienresidenzen oder zu touristischen Zwecken. 


Geisterdorf Vathia
Geisterdorf Vathia

Spartanische Spartaner

Wir fahren weiter nach Gythio. Hier nutzen wir wieder einmal einen der wenigen im Winter geöffneten Campingplätzen. Das schmucke Städtchen ist mit dem Fahrrad in rund 15 Minuten erreichbar. Die Strandpromenade lädt mit unzähligen Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Im kleinen Hafen legen die Fähren nach Kreta ab. Hätten wir mehr Zeit, würden wir noch einige Wochen Kreta anhängen. Aber fürs Erste reicht uns das griechische Festland mit seinen unzähligen schönen Ecken vollends aus.


Fischerdorf Gythio
Fischerdorf Gythio

Die nächste Sehenswürdigkeit befindet sich dann auch nur wenige Kilometer nördlich von Gythio: Das Schiffswrack Dimitrios, das hier seit 1981 vor sich hin rostet. Der ehemalige Frachter war hier auf Grund gelaufen, nachdem der Kapitän notfallmässig ins Krankenhaus musste und sich das Schiff danach während eines Sturms losriss.


König Leonidas, der Spartaner
König Leonidas, der Spartaner

Als nächstes Ziel steuern wir die beiden geschichtsträchtigen Orte Sparta und das Unesco Weltkulturerbe Mystras an. Sparta kennt man von den Spartanern, von deren Lebensweise der allseits bekannte Ausdruck «spartanisch» herstammt. Die byzantinische Ruinenstadt Mystras war einst eine florierende Stadt an den steilen Flanken des Taygetos-Gebirges. Von dort aus schlängelt sich die Passstrasse durch enge Schluchten und zahlreiche Serpentinen über den Taygetospass nach Kalamata. Kurz nach der Passhöhe lotst uns das Navi aufgrund einer Strassensperre (Erdrutsch) über eine schwindelerregende, einspurige Strasse durch eine Schlucht fast 50 Kilometer in Richtung Meer hinunter. Wir sind froh, dass uns auf dieser Strecke mit wenig Kreuzungsstellen gerade mal zwei Autos entgegenkommen. In der Metropole Kalamata nutzen wir die Infrastruktur für diverse Erledigungen. Darunter einen Baumarkt, um unser defektes Stromkabel zu ersetzen. Die Stadt ist lebendig und hat Einiges zu bieten. Nach einigen Tagen zieht es uns wieder weiter auf das Land hinaus.



Zu Besuch in «Landquart»

Wir überqueren das Inland mit unzähligen Olivenhainen und landen schon bald in der Gegend von Finikounda. Im Hinterland betreiben die Landquarter Bea und Niko Gerber ein Agritourismus mit zwei Tinyhäusern und einer Olivenplantage. Bea arbeitete vor ihrer Auswanderung nach Griechenland von 2008 bis 2015 unter anderem als Religionslehrerin im Prättigau und Niko (auch heute noch monatsweise) als Lokführer bei der Rhätischen Bahn. Hier auf dem Peloponnes konnten die beiden «Fürschlössler» vor rund 12 Jahren ihren Lebenstraum verwirklichen und eine eigene Existenz aufbauen. Sie freuen sich immer über Besucher aus der Heimat. Alle Infos unter www.kavourina.ch. Am nächsten Tag fahren wir weiter zu Festung Methoni, die auf einer Halbinsel vor Pylos liegt. Wenige Kilometer nördlich befindet sich der bekannte Voidokilias-Beach, besser bekannt als «Ochsenbauchbucht». Vom Burghügel Palaokastro aus erkennt man sofort, woher die türkisfarbene Bilderbuchbucht ihren Namen hat: ihre Form erinnert tatsächlich an einen dicken Ochsenbauch. Wir fahren weiter nordwärts zum schönen Elea-Beach, einem der wohl bekanntesten Vanlife-Spots in Griechenland.


Gewitter im Anmarsch am Eleabeach
Gewitter im Anmarsch am Eleabeach

Der erste Abend begrüsst uns mit einem heftigen Gewitter, so dass unser «MuK» bald im Wasser steht und eher an ein Boot als an einen Camper erinnert. Am nächsten Tag lacht die Sonne wieder, und wir erkunden den kilometerlangen Strand. Die Winterstürme im Mittelmeerraum haben viel Schwemmholz und Unrat angespült.


Olympia
Olympia

Die Wiege von Olympia

Unser nächstes Ziel heisst Olympia. Hier wurde 776 vor Christus der Grundstein zu den olympischen Spielen gelegt. Die Sportanlagen waren ursprünglich zu Ehren von Zeus errichtet worden. Heute zählt die archäologische Stätte zu den bekannten Unesco Weltkulturerben. Seit 1936 wird hier das olympische Feuer entfacht und dann mit Läufern über viele Etappen ins Gastgeberland getragen. An solchen Orten wäre spannend, die Zeit 2000 Jahre zurückzudrehen, und einige Tage Einblick in das damalige Leben erhaschen zu können. Die kommenden Tage verbringen wir wieder einmal auf einem Camping im Nordwesten des Peloponnes. Wir treffen andere Schweizer und verbringen zusammen gemütliche und kulinarische Stunden im Campingrestaurant. Die Dorade vom Grill schmeckt ausgezeichnet. Mit dem Mountainbike fahren wir zu einem riesigen Kiefer- und Pinienwald, welcher mit ockerfarbenen Sanddünen und bunten Frühlingsblumen durchzogen ist – wahrlich eine fotogene Landschaft.

 

Abendstimmung am ambrakischen Golf
Abendstimmung am ambrakischen Golf

 Zurück aufs Festland

Nach gut anderthalb Monaten verlassen wir den Peloponnes und überqueren bei Patras mit der Fähre den Golf von Korinth. Seit Langem nutzen wir wieder einmal eine Autobahn und sind erstaunt über die hohen Gebühren: Knapp 30 Euro für rund 120 Kilometer. Da soll nochmals einer sagen, die Schweizer Vignette sei teuer. Unser erstes Ziel auf dem Festland liegt am Ambrakischen Golf. Hier übernachten wir idyllisch auf einer Landzunge mit Meerblick und fahren am nächsten Tag mit dem Camper zur Insel Koronisia hinaus. Mit dem Camper?


Mit dem Camper auf die Insel
Mit dem Camper auf die Insel

Das ist hier tatsächlich möglich, denn die Strasse führt auf einem schmalen Damm sozusagen mitten übers Meer. Wie eine Fata Morgana tauchen nach gut zwei Kilometer die Silhouetten der ersten Häuser aus dem Meer auf. Wir stellen uns an einen Strand und bereiten uns einen Thonsalat zu. Danach geht’s übers Meer zurück aufs Festland. Aber nur kurz. Unser nächstes Ziel ist die Insel Lefkada.



 
 
 

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